Norwegen 2001, Teil 3: Über die Inseln

ADer 28.Juni wird zum einzigen Ruhetag der kompletten Tour. Heute fahren wir ohne Gepäck gerade mal fünf Kilometer zum südlichsten Ort der Lofoten mit dem Namen „Å“. Dort wandern wir entlang des Sees bis hinauf zum Felsgrad. Von dort hat man einen tollen Blick über die Süspitze der Insel bis zum Festland und den kleinen Ort „Å“.

LofotenAm 29. verlassen wir Sörvagen bei gutem Wetter und fahren über die südliche Insel der Lofoten. Dabei machen wir einen Abstecher in den Nusfjord mit seinem historischen Fischerdorf. So toll, wie die Reiseführer ihn beschreiben, ist der Fjord dann aber auch wieder nicht. Dafür ist das Örtchen touristisch voll erschlossen und offeriert eine Fülle überteuerter Bespassungen für seine Gäste. Wer hier in einer Fischerhütte übernachten will bekommt im Prinzip das Gleiche wie in Sörvagen, zahlt aber das Doppelte dafür.
Nusfjord Über eine Brücke erreichen wir die nächste Insel der Lofotengruppe „Vestvagöya“. Verschiedene Abstecher führen uns zu Stränden im Norden der Insel in der Hoffnung, dort eine tolle Unterkunft mit Blick auf die Mitternachtssonne zu finden. Das gelingt uns aber nicht. Am Ufer des Steriropoten-Sees finden wir eine tolle Campinghütte. Der Vermieter, ein gut 70-Jähriger Fischer in Rente, führt uns stolz sein Motorrad vor (Baujahr so um die 1940). mit dem er immer noch ab und zu in den Nachbarort fährt.

Opas Moped Opas Hütte

Route 29.6.2001

Tags drauf verlassen wir die mittlere Insel und fahren durch einen Mauttunnel unter dem Meer hindurch auf die Lofoten-Nordinsel. Das Wetter könnte schräger kaum sein. Im Minutentakt wechseln sich strahelnder Sonnenschein und heftige Regenschauer ab. In einem Fjord, der die Insel von Süden her zur Hälfte durchschneidet, finden wir eine Halbinsel mit einer kleinen Kirche und einem Campingplatz (Kartenpunkt F). Dort beziehen wir das zum Appartement ausgebaute Dachgeschoss einer Garage, welches der Campingplatz-Besitzer vermietet. Die Lichtstimmung im Fjord ist sensationell. Die Sonne steht flach im Westen und immer wieder rasen tief liegende Wolken durch das Tal und verfärben das Sonnenlicht. Wir kommen uns vor wie in einem kitschigen SciFi-Ölgemälde. Abends gehen wir ohne Gepäck mit dem Mopeds auf eine Runtour zur Nordküste der Insel und sehen dort die Mitternachtssonne.

Route 30.6.2001

Am 1. Juli machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu der nördlich der Lofoten gelegenen Inselgruppe Vesteralen. Bis zum Nachmittag haben wir Andenes, den Ort an der Nordspitze erreicht und checken dort auf der Fähre zum Gryllefjord auf der Insel Senja ein. Nahe Hanm (Punkt B auf der Nachmittagskarte) passieren wir den nördlichsten Punkt unserer Tour. Von nun an geht es wieder südwärts.
Am Ufer des Trolbuvatnet finden wir einen hübschen Campingplatz und feiern den Wendepunkt der Tour mit einer Flasche Rotwein, die uns ein freundlicher, nach Norwegen ausgewanderter Schweizer schenkt.

Route 1.7.2001 vormittag
Route 1.7.2001 nachmittag

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Norwegen 2001, Teil 2: Entlang der Küste

Wir haben den Tipp bekommen, nur bei gutem Wetter entlang des Meeres zu fahren. Deshalb entscheiden wir uns am 25. Juni 2001, über die Küstenstrasse 17 in den Norden zu reisen und später durch das Hinterland zurückzukehren – die Richtige Wahl, wie sich noch herausstellen wird. Zwar ist es trocken doch hängen tiefe Wolken über den Bergen – es gibt daher nur wenige Fotos von diesem Abschnitt der Route. Das ist leider nicht die gewünschte Aussicht, doch wir können uns das Wetter nicht aussuchen.
Wer sich auf die Route 17 einlässt, muss Geduld mitbringen. Die zerklüftete Küste Norwegens erlaubt keine durchgehende Strasse und so müssen wir alleine heute drei mal eine Fähre benutzen. In Tjötta beziehen wir gleich in der Nähe des Fährhafens Quartier.

Route 25.6.2001

Der PolarkreisAm 26 setzen wir die Route 17 in Richtung Norden fort. Es ist saukalt geworden aber das Wetter bleibt überwiegend trocken. Auf einem etwas längeren Fährabschnitt zwischen Kilboghamn und Jektvik (Kartenausschnitt D – E) überqueren wir den Polarkreis. Dunkle Nächte gibt es bereits seit Tagen nicht mehr, aber ab hier geht die Sonne gar nicht mehr unter. Um das zu sehen muss sich aber erst einmal die Bewölkung lösen. Um überhaupt noch schlafen zu können müssen wir jede Nach die Fenster der Hütten mit Decken oder Handtüchern abdunkeln.
Abbruch des Svartisen-Gletschers Im weiteren Verlauf der Tour umfahren wir den Svartisen-Gletscher und passieren dessen Abbruchkante. Man könnte mit einem Boot von der Route 17 aus über einen Fjord übersetzen und zum Gletscherabbruch laufen. Uns ist das Wetter für diesen Ausflug allerdings zu bescheiden. In Melvik finden wir einen netten Campingplatz direkt am weissen Sandstrand.

Route 26.6.2001

Überfahrt nach SörvagenWir brechen am 27. in Richtung Bodö auf. Auf dem Weg dorthin passieren wir den Saltstraumen. Hier gibt es eine nur wenige Meter breite Verbindung zwischen Fjord und dem offenen Meer. Im Wechsel der Gezeiten bildet sich ein reissender Strom, mal in und mal aus dem Fjord.
In Bodö reservieren wir einen Platz auf der Abendfähre, welche und zur Südspitze der Lofotoen übersetzt. Bereits während der Bootsfahrt verbessert sich das Wetter, was auf sonnige Tage hoffen läßt. Waale begleiten die Fähre, doch da sie nicht wie in Naturfilmen aus dem Wasser hüpfen, können wir die Art nicht genau bestimmen.
In Sörvagen angekommen mieten wir uns für zwei Tage in einer malerisch gelegenen Rorbuer am Sörvagvatnet ein.

Route 27.6.2001

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Norwegen 2001, Teil1, Die Überquerung des Südens

Richtung EgersundAm Vormittag des 19.6.2001 gehen wir mit einer Kawasaki Zephyr 1100, einer Suzuki GSX 750 und meiner damaligen Honda NTV 650 in Kristiansand von Bord der Fähre. Die erste Norwegen-Etappe führt bei trockenem Wetter entlang der Südküste durch kleine Fjorde zum Fischerdorf Egersund. Entlang der Route gibt es noch keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Der Belag erweist sich auf den kurvenreichen Strassen als griffig. Abseits der Hauptrouten herrscht wenig Verkehr und das Fahren mach richtig Spass.

Route 19.6.2001

Bereits am zweiten Tag zeigen sich die Launen des norwegischen Wetters. Im Dauerregen und durchnässt bis auf die Unterwäsche touren wir zum Lysefjord. Dort wollen wir eigentlich den Preikesolen bewundern, einen Felsklotz der mit seiner senkrechten Felswand 604 Meter über dem Fjord thront. Doch zwischen dem Auf dem Weg zum LysefjordParkplatz an der Preikestolhütte und dem Plateau liegt eine zweistündige Wanderung. Aufgrund des strömenden Regens verzichten wir auf den Marsch und setzen die Fahrt weiter Richtung Norden fort. Mit der Zeit gewöhnen wir uns an den Regen. Der Belag schmiert nicht und es gibt nur wenige der gefürchteten Bitumen-Fugen oder Flecken auf der Fahrbahn. Unterwegs nutzen wir die ersten Fähren, um kleinere Fjorde zu überwinden. Die Fährbesatzungen kennen sich mit Mopeds offensichtlich gut aus und haben stets besondere Moped-Stellplätze und bei Bedarf auch Vertäuungs-Werkzeuge. Am Ende eines sehr nassen Tages finden wir in der Nähe von Röldal eine angemessene Hütte, mit einer warmen Dusche und vielen Heizkörpern für unsere Klamotten.

Route 20.6.2001 vormittag

Route 20.6.2001 nachmittag

Einer von vielen imposanten WasserfällenAm 21. Juni brechen wir bei bestem Sommerwetter Richtung Sognefjord auf. Die Route führt zunächst entlang einiger sehr imposanter Wasserfälle wie den Tvindefossen bis zur Stalheimklamm (im Kartenabschnitt: F und G). Die Hauptstrasse überwindet diesen Abschnitt in einer weiten Kurve und mit einem großen Tunnel. Durch den Ort Stalheim und am Hotel vorbei kommt man jedoch auf die alte Strasse (externer Link), die sich in steilen kurven den Hang hinunterwindet – ein absolutes Muss für Motorradfahrer. Als Problematisch erweist sich auf der engen Strasse allerdings, das sich auch vollgeladene Touristenbusse den Pass hinunterstürzen.
Naeröfjord Am Ende des Tals liegt der Ort Gudvagen. Dort beginnt der engste Fjord Norwegens, der Naeröfjord. Wir fahren von Gudvagen mit der Fähre nach Kaupanger.

Hafslovatnet

Dieser imposante Bootsausflug führt durch den Naeröfjord zunächst in den Aurlandsfjord und schließlich in den großen Sognefjord. Von Kaupanger setzen wir die Fahrt in Richtung Norden fort. Am Hafslosee (Hafslovatnet) finden wir einen tollen Campingplatz mit Hütten direkt am Seeufer.

Route 21.6.2001

Am 22. steht einer der schönsten Streckenabschnitte der gesamten Tour an. Bei leicht bedecktem Wetter schrauben wir uns auf das Plateau des Sonjefjell (Gletscher). Sonjefjell GletscherstrasseDurch die unwirklich wirkende Schnee- und Eislandschaft führt eine perfekt geräumte, trockene und kurvige Route in das dahinter liegende Tal. Bei Galdesanden verlassen wir die Hauptstrasse und nehmen die Sackgasse zur Juvashytta (Kartenpunkt C) — den höchsten in Norwegen anfahrbaren Punkt auf etwa 1800 Höhenmetern. Die ungeteerte Strasse kostet eine Maut von umgerechnet etwa 2 Euro. Die Strasse erfordert nicht zwingend Off-Road-Praxis und läßt sich auch mit Strassen-Mopeds bezwingen.Auffahrt zur Juvashytta
Nach dem Abstecher zur Juvashytta fahren wir nach Lom. Dort können Interessierte die Stabkirche bewundern. Die bekehrten Wikinger konnten zwar Boote, aber keine Kirchen konstruieren. Also stellten sie Bootsrümpfe auf den Kopf und bauten so die beeindruckende Stabkirchen. Der Eintritt kostet Geld, da der Erhalt der histrorischen Gebäude die Gemeinde viele Kronen kostet.

Am Nachmittag setzen wir die Fahrt in Richtung Geyranger, dem schönsten Fjord Norwegens fort. Kurz vor dem Fjord erreichen wir den Aussichtspunkt Dalsnibba (Kartenpunkt F) – ein Pflichtpunkt für Norwegen-Reisende. Die Schotterstrasse kostet wiederum eine bescheidene Maut, ist ihren Preis jedoch wert. Der Geyranger-FjordSchotterpiste zum DalsnibbaVom Dalsnibba aus hat der Reisende einen sensationellen Blick in den schönsten Fjord des Landes. Den Moped-Fahrern gefällt dabei besonders, dass in den Fjord zudem zwei der schönsten Passstrassen des Landes führen. Im Geyranger gönnen wir uns ausnahmsweise eine Hytta mit Vollausstattung.

Route 22.6.2001

Rückblick zum GeyrangerTrollstiegenDer 23. beginnt bei strahlendem Sonnenschein. Wir erfüllen unser Versprechen an uns selbst und wagen den Sprung ins sauklate Fjordwasser. Der Punkt „Schwimmen im Fjord“ auf dem ToDo-Plan für Norwegen-Reisende haken wir somit ab – wie gut, dass wir eine Hytta mit warmer Dusche in direkter Fjordnähe bewohnen. Die Route für heute verlässt den Geyranger Richtung Norden und führt über die Trollstiegen, eine markannte, wenn auch überbewertete Passstrasse. Auf dem weiteren Weg nach Trondheim finden wir in der Näche von Bolme einen Campingplatz.

Route 23.6.2001 vormittag

Route 23.6.2001 nachmittag

SnasavatnetMit dem 24. beginnt der kompromisslose Aufstieg in den Norden. Auf dem Weg statten wir Trondheim einen kurzen Besuch zur Mittagszeit ab, halten uns in dem netten Städtchen allerdings nur kurz auf. Schließlich sind wir keine City-Touristen. Am Snasavatnet (See) finden wir einen netten Platz mit urigen Campinghütten.

Route 24.6.2001

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Norwegen 2001 Vorwort

Inhalt

Ich bin diese Tour vor sieben Jahren gefahren, komme aber erst jetzt im Frühjahr 2008 dazu, sie zu protokollieren und Online zu stellen – ich hatte bisher weder die Zeit, noch den Online-Auftritt dafür.
Der 2001er Trip war mein erster und bislang einziger Motorrad-Urlaub in Norwegen. Mit der Erfahrung der damaligen Tour, würde ich den nächsten Trip anders planen, daher ein paar Tipps:

  • Tage ohne Sonnenuntergang sind etwas besonders, doch der Weg bis zum Polarkreis ist weit. Die Landschaft im Norden Norwegens sind zwar interessant, jedoch hat der Süden für Motorradfahrer mehr zu bieten. Wer weniger als 4 Wochen Zeit hat sollte nicht versuchen, in den Norden zu hetzen. Die Region südlich von Trondheim hat die schöneren Routen zu bieten. Das Gebiet um den Sognefjord hat mir persönlich dabei am besten gefallen.
  • In Norwegen regnet es -– oft, heftig und meist ohne große Vorankündigung. Wer hier Moped fahren will muss wasserdicht sein und über gute Reifen verfügen. Bei meiner Tour hat sich die schlichte Kombi vom Moped-Kaufhaus als Norwegen-untauglich erwiesen, ebenso wie die Billig-Handschuhe. Eine Angler-Hose und eine simple Regenjacke über der Lederkombi funktionierten deutlich zuverlässiger.
  • Camping mit Selbstversorgung ist die günstigste Art zu wohnen. Jeder größere Campingplatz vermietet Hütten. Weiter im Norden gibt es oft Privatleute die Hütten oder Fischerhütten (Rorbuer) vermieten. Die Ausstattung der Hütten variiert von Zimmer ohne fließendes Wasser mit Stockbetten bis hin zu Appartment-gleichen Häuschen. Die einfacheren Hütten kosten nicht viel und so lohnt es sich nicht, ein Zelt mitzunehmen. Ich hatte meines vier Wochen unausgepackt dabei. Die Preise (2001) für Campinghütten lagen zwischen 250 Kronen (ca 30 Euro) für die Simple Ausstattung und 750 Kronen (ca 90 Euro) für die Luxus-Variante am Geyranger.
  • Sprit, Alkohol und stellenweise auch reguläre Lebensmittel sind sauteuer – daran lässt sich nichts ändern. Wer abends ein Bierchen zischen will, sollte sich tagsüber im Supermarkt eine 1,5-Liter-Plastikflasche mitnehmen. Die Zeit des Alkoholverkaufs weicht stellenweise von den Öffnungszeiten des Supermarktes ab. Speziell am Wochenende verkaufen die Läden keinen Alkohol. Versucht nicht, heimisches Essen wie Putenschnitzel einzukaufen, das kostet ein Vermögen. Recht günstig fährt man mit Lachs oder den tiefgefrorenen „Sommerkotteletter“.
  • Im Sommer sind in Norwegen jede Menge Mücken unterwegs. Es gibt tausende meist nutzloser Hausmittelchen gegen die Plagegeister. Am Besten sucht man sich einfach ein mückensicheres Quartier für die Nacht. Uns begegneten die summenden Blutsauger nur in der Nähe von Flüssen oder kleinen Seen. Wer in Fjord-, Meeresnähe oder an einem großen See campiert, hat nach unserere Erfahrung wenig zu befürchten.

Die Tour fand in der Zeit vor Digicam und GPS statt. Die Routenaufzeichnungen habe ich von Hand aus der Landkarte übertragen. Die Endpunkte stimmen dabei nicht unbedingt mit der Position überein an der wir tatsächlich einen Campingplatz angefahren haben.
Auch gibt es vergleichsweise wenig Fotos. Speziell von den Passagen mit mässigem Wetter habe ich gar keine Bilder.

Prolog

Den Norwegen-Trip hatte ich seit Jahren geplant, doch mangels Mitfahrer aus dem eigenen Freundeskreis nie durchführen können. 2001 beschloss ich daher, die Tour auch ohne den Münchner Haufen zu fahren. Über das Internet begeisterte ich zwei Mitfahrer aus Gosla und Hamburg und wir setzten das Zeitfenster auf vier Wochen vom 17.6. bis zum 14.7. fest – Start in Hamburg am 18.1.
Die Strecke München-Hamburg legte ich im DB-Autozug zurück. Der kostet zwar ein paar Euro, aber es gibt keinen komfortableren Weg, um mit dem Moped diese Strecke zu überwinden.
Für die Anfahrt nach Norwegen entschieden wir uns, bis in den hohen Norden von Dänemark zu fahren, um von Hirtshals nach Kristiansand in 4 Stunden mit der Fähre überzusetzen. Das sind allerdings 500 langweilige Autobahnkilometer über plattes Land. Die Fähre von Kiel nach Oslo ist die deutlich bequemere, wenn auch teurere Variante.

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